Ehrenamt im Fokus
Ehrenamt im Fokus – Mein Ehrenamt und ich
Mit der Themenreihe „Ehrenamt im Fokus – Mein Ehrenamt und ich“ setzten wir ein modernes Zeichen für die Vielfalt ehrenamtlichen Engagements. Unter dem Hashtag #EhrenamtmachtdieWeltheller entsteht kein statischer Preis, sondern eine monatlich wechselnde Plattform, auf der Freiwillige, Vereine und Initiativen ihre Motivation und ihre ganz persönliche Geschichte erzählen. Auch Herausforderungen und Erfolge sollen offen sichtbar werden – ein lebendiges Bild der bunten Ehrenamtslandschaft in Darmstadt-Dieburg.
Die Beiträge der neuen Themenreihe erscheinen künftig jeweils am 5. eines Monats hier auf dieser Website. Sie laden dazu ein, zu stöbern, neue Einblicke zu gewinnen und sich inspirieren zu lassen. Wer möchte, kann so vielleicht selbst Lust bekommen, ein Ehrenamt aufzunehmen oder auszubauen.
Hier findest du die einzelnen Berichte:
Gespräch mit Frau Christine Bachmann – Umweltpatin in Groß-Zimmern
1. Wer sind Sie?… und in welchem Bereich engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Mein Name ich Christine Bachmann, ich wohne in Groß-Zimmern und kümmere mich in meinen freiwilligen Tätigkeiten um die Beetpflege und Müllbeseitigung öffentlich zugänglicher Bereiche. Ich beseitige vor allem Zigarettenkippen und Klein-Plastik-Teile.
2. Seit wann führen Sie Ihr freiwilliges Engagement durch und wie sind Sie zu diesem Ehrenamt gekommen?
Ehrenamtlich aktiv bin ich seit Sommer 2023 und habe die Idee für diese Tätigkeit durch einen kleinen Zeitungsartikel in einer ZAW-Info bekommen. In diesem Artikel wurde auf eine solche mögliche Tätigkeit aufmerksam gemacht.
3. Welche Schritte waren Ihre ersten?
Ich habe mir überlegt, was ich tun könnte und habe für meine Idee den zuständigen Ansprechpartner in der Gemeinde gesucht und gefunden. Die Tätigkeit macht mir Spaß und ist mir wichtig.
4. Was motiviert Sie, dieses Projekt durchzuführen?
Ich wollte mich nicht immer nur beschweren oder ärgern, sondern erkannte, dass ich selbst aktiv werden kann, um für ein schöneres Stadtbild zu sorgen.
5. Wie sieht Ihr typischer Einsatz aus?
Ich bin viel mit dem Fahrrad in der Gemeinde unterwegs und sehe oft Müll herumliegen, gerade auch in der Adolf-Kolping-Anlage. Da habe ich begonnen kontinuierlich eine kleine Pflege rund um die Bänke zu starten. Um andere Beete und Pflanzenkübel kümmere ich mich zusammen mit einer anderen Umweltpatin nach Bedarf und uns zur Verfügung stehenden Zeit.
6. Mit welchen Menschen oder Gruppen arbeiten Sie zusammen?
Wir sind oftmals alleine oder im kleinen Team unterwegs, weil es einfach Spaß gemacht gemeinsam etwas zu tun. Schön wäre es, wenn mehr Personen mitmachen würden.
7. Worauf sind Sie in Ihrem Tun bislang besonders stolz?
Dieses Ehrenamt gibt mir Zufriedenheit, es gefällt mir, wenn die Anlagen schön und sauber sind. Und als Bürgerin von Groß-Zimmern liegt mir mein Wohnort auch am Herzen.
8. Wie wirken Ihre Aktivitäten auf andere?
Während meiner Aktivitäten komme ich oft ins Gespräch mit anderen Leuten. Sehr oft kommen positive Reaktionen auf mein Tun zurück, manchmal auch etwas Verwunderung. Gerne möchte ich auch Jugendliche motivieren mitzumachen – wenn ich auf eine Gruppe Jugendlicher treffe, ist oft einer dabei, der auch mithilft. Bisher habe ich ausschließlich gute Erfahrungen gemacht, nahezu keinerlei negative.
9. Was nehmen Sie persönlich aus dem Ehrenamt mit?
Es macht Spaß, ich kann etwas bewirken und erfahre auch Bestätigung und Wertschätzung. Das gefällt mir und ist auch wichtig für mich. Man muss aber auch Ausdauer haben. Auch wenn nach meiner Aktion die Anlage nach einer bestimmten Zeit wieder etwas vermüllt ist, lohnt es sich weiterzumachen. Und mit der Zeit bemerke ich auch Verbesserungen.
10. Welche Ziele oder Wünsche haben Sie für sich und die Zukunft Ihres Engagements?
Ich mache gerne weiter und wünsche mir mehr Beteiligung durch andere. Wichtig und gut ist die Unterstützung durch den Ansprechpartner für meine Aktivität in der Gemeinde. Mit diesem kann ich über meine Aktionen im Austausch sein, wir können uns direkt unterhalten.
11. Welchen Tipp würden Sie interessierten Neueinsteigern im Ehrenamt geben?
Arbeiten im Team macht Spaß. Wenn die Aktivität einem am Herzen liegt, ist es leicht, etwas zu tun. Man kann sich ausprobieren und feststellen, was persönlich gefällt. Neue Mitmachende sind nicht allein, es gibt uns schon und wir können größer werden.
12. Wie kann Interesse für freiwilliges Tun geweckt werden?
Im Austausch mit den anderen erfährt man die vielen positiven Seiten der Aktivitäten. Wenn über die Aktivität danach irgendwo berichtet wird, ist das auch eine schöne Wertschätzung. Mehr Information über Möglichkeiten des freiwilligen Engagements könnten dabei hilfreich sein.
Gespräch mit Herrn Enno Reershemius – Ehemaliger Vorsitzender der Radsportabteilug im TuS Griesheim
1. Wer sind Sie?… und in welchem Bereich engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Mein Name ich Enno Reershemius, ich wohne seit 45 Jahren in Griesheim und bin genauso lange beim TuS Griesheim, dem größten Verein der Stadt. Ich bin 79 Jahre alt. Jetzt bin ich Ehrenvorsitzender der Radsportabteilung und habe davor fast 20 Jahre den Vorsitz der Radsportabteilung innegehabt.
2. Seit wann führen Sie Ihr freiwilliges Engagement durch und wie sind Sie zu diesem Ehrenamt gekommen?
Ehrenamtlich aktiv bin ich seit ca. 1990 mit kleineren „Aufgaben“ in der Leichtathletik-, Ski und dann hauptsächlich in der Radsportabteilung. Ab 2000 habe ich mit 3 anderen Mitgliedern abwechselnd die Abteilung Radsport geleitet, um dann im Jahr 2004 die Verantwortung auf meine Schultern geladen. Warum habe ich das gemacht? In erster Linie, weil ich gerne in Gesellschaft bin und in 2ter Linie, weil sich viele Mitglieder schwertun, ein solches Amt zu übernehmen. Ich wollte nicht, dass die Radsportabteilung an einem organisatorischen Akt die Existenz aufgibt. Ahnung davon hatte ich nicht. Ich muss unbedingt festhalten, dass ich während der gesamten Zeit als Vorsitzender der Radsportabteilung wesentliche Aufgaben „delegiert“ habe. Die anderen Mitglieder im Vorstand haben mich mitgetragen. Allein wäre es nicht gegangen. Ich möchte auch festhalten, dass wir keine einzige Vorstandssitzung beendet haben, wo wir nicht einstimmig agiert haben. Es ist nie einer allein verantwortlich.
3. Welche Schritte waren Ihre ersten?
Da ich unerfahren war habe ich zunächst versucht die Aufgaben so abzuwickeln, wie es „erwartet“ wurde. Nachdem ich darin geübt war, kamen dann zusätzliche Aktivitäten (immer in Abstimmung mit den restlichen Vorstandsmitgliedern) hinzu. Parallel war ich auch in der Skiabteilung (als „Skilehrer“ für jugendliche Mitglieder bei Freizeitveranstaltungen in Frankreich aktiv), in der Leichtathletikabteilung fungierte ich lange als Kampfrichter.
4. Was motiviert Sie, dieses Projekt durchzuführen?
In erster Linie wollte ich versuchen den Sport (unseren Radsport) neben dem körperlichen Aspekt und die gesundheitsfördernden Auswirkungen auch den Freude- und Spaßfaktor aktivieren. Ich denke, dass das (wenn man keinen oder kaum im Wettkampfsport zu Hause ist) ein wichtiger Anker ist, um Menschen an Vereinen oder Organisationen zu binden. Der Spaß des Moments und die Freude daraus halten Menschen zusammen. Ich glaube, dass es nicht immer bierernst zugehen muss. Manchmal ja, aber meistens ist es nicht förderlich.
5. Wie sieht Ihr typischer Einsatz aus?
Da meine aktive Zeit als Vorstand vorüber ist kann ich nur beschreiben, was in der aktiven Zeit war. Ich habe versucht jedes Mitglied unabhängig von seinen Aktivitäten in der Abteilung „gleich“ zu behandeln. Ich habe versucht bei den Ausfahrten (auch in der Woche) dabei zu sein. Ich habe versucht unsere Homepage (nach der Übernahme von einem anderen Mitglied) so attraktiv zu gestalten, dass darin alle Aktivitäten von uns gefunden wurden. Bilder von Veranstaltungen eingestellt, über einen Adventskalender Interesse für unsere Abteilung und Aktivitäten geweckt. Viele neue Mitglieder haben wir durch die Attraktivität unserer Homepage gefunden. Unser Radmarathon am letzten Sonntag im April zu organisieren hat viel Arbeit gemacht. Wenn der Tag dann vorbei ist, kein wirklicher Unfall passiert war, jeder sich freute, dann war ich erleichtert, zufrieden und befreit.
Es gibt viele weitere Aktivitäten, eine wäre mir noch besonders wichtig festzuhalten: Ich durfte die Verbindung zu der Partnerstadt Bar le Duc mit neu beleben und erleben. Das ist eigentlich der wichtigste Punkt von allen.
6. Mit welchen Menschen oder Gruppen arbeiten Sie zusammen?
Mit den Mitgliedern hauptsächlich, mit der Administration des Vereins. Mit den Mitgliedern des Vorstandes. Als Kamprichter mit Sportlern und als betreuender „Skilehrer“ auch sehr gerne mit Jugendlichen. Kurz bevor Corona sich ausbreitete, waren wir über 70 Mitglieder, da haben viele mein Ohr gesucht und ich habe versucht die Aktivitäten nicht völlig zu vernachlässigen. Das ist zum Glück gelungen.
7. Worauf sind Sie in Ihrem Tun bislang besonders stolz?
Die ersten Mitgliederversammlungen waren nicht geliebt von mir. Später hat sich das gegeben. Ich habe gesehen, dass die Mitglieder mit Freude dabei waren. Das war immer eine große Befriedigung. Dann sind alle Mühen dafür auch gerechtfertigt. Wenn mich jugendliche Menschen in der Stadt begrüßen und sagen, weißt du noch? Damals in Frankreich? Wieviel Spaß wir hatten? Ja, weiß ich, aber wer bist du denn? Echt? Du? Du hast dich aber gemacht, bist ja sogar endlich groß geworden…….. Das Ehrenamt gibt mir auch heute noch große Zufriedenheit. An ganz vielen Erinnerungen kann ich mich immer noch sehr erfreuen. Die Menschlichkeit unter- und füreinander war und bleibt ein wesentlicher Pluspunkt für das Miteinander. Auch das die Familie meine Vereinsaktivitäten geduldet hat ist nicht üblich und darf erwähnt werden.
Wahr ist aber eben auch, dass man es allein auf gar keinen Fall schafft. Die Mitglieder im Vorstand waren genauso wichtig für das Gelingen über die gesamte Zeit. Und jedes Mitglied auch. Und sei es nur durch ein Kopfnicken oder „Daumen hoch“, oder eine Geste.
8. Wie wirken Ihre Aktivitäten auf andere?
Ganz schwer das richtig einzuordnen. Die Erinnerungen an das Geleistete verblassen mit der Zeit, das ist normal. Ob ich als Vorbild diene, kann ich nicht sagen. Wenn man das Gefühl hat, im richtigen Moment das „Zepter“ an einen Nachfolger übergeben hat und der dann sagt, ich wusste nicht, dass du so viel Aufwand betrieben hast, um den Laden zusammenzuhalten, ist das ein großes Kompliment und freut mich sehr. Das sehen wohl viele andere auch. Positive Reaktionen gibt es von Mitgliedern, Verantwortlichen aus dem Hauptverein. Das ist wichtig zu hören und bleibt.
9. Was nehmen Sie persönlich aus dem Ehrenamt mit?
Befriedigung im Rückblick. Obwohl oft viel Zeit benötigt wird, um manchmal Kleinigkeiten aus der Welt zu schaffen. Es macht fast immer Spaß. Anerkennung für reibungsloses „Tun“ verstecken sich oft in allgemeinen Äußerungen von Wegbegleitern. Die aufgewandte Zeit hat etwas bewirkt.
10. Welche Ziele oder Wünsche haben Sie für sich und die Zukunft Ihres Engagements?
Ich freue mich, wenn ich mein „Amt“ als Ehrenvorsitzender noch einige Zeit innehaben darf.
Ich erkenne, dass mein Nachfolger ein großes Glück für die Abteilung ist und ich bin überzeugt, dass er sein Amt in Art und Weise ausfüllt, die vorbildlich ist. Die Anerkennung dafür ist überwältigend. Ich bin sicher, dass die Abteilung zumindest aus dieser Perspektive optimal in die nächsten Jahre geführt werden wird.
11. Welchen Tipp würden Sie interessierten Neueinsteigern im Ehrenamt geben?
Machen. Tun. Arbeiten im Team macht Spaß. Man kann nichts falsch machen, wenn man versucht, im Team Einigkeit herzustellen. Dann ist alles leicht. Autokratische Herrschaften bringen langfristig lediglich Frust und Desinteresse. Demokratisch bleiben. Menschlichkeit obenan stellen. Verantwortung delegieren und nicht kontrollieren. Ich habe immer gesagt, wenn ich eure Arbeit auch noch begutachten soll, dann bin ich misstrauisch euch gegenüber. Ich stehe vor euch, wenn es Fehler gibt. Wenn ihr bewusst uns oder dem Verein schädigt, gehen wir bis vor die UN-Hauptversammlung und ich stehe nicht für euch ein. Aber kontrollieren will ich euch nicht. Dann kann ich alles allein machen. Und siehe da, es hat funktioniert.
12. Wie kann Interesse für freiwilliges Tun geweckt werden?
Manchmal schwierig, manchmal unerwartet. Offenheit und Lockerheit. Verantwortung delegieren. Siehe Antwort zu Frage 11. Eine funktionierende Abteilung oder Organisation bekommt auch „passende“ Neue. Es lockt sie sogar an. Versuchen nicht passendes abzustellen. Offenheit. Wahrheiten (egal ob gute oder schlechte) auch als solche aussprechen. Unvermögen und Untätigkeit nicht dulden. Auf Zwischentöne achten. „Leise“ Mitmenschen haben auch gute Ideen. Die „Lauten“ nicht überbewerten. Versuchen „Gras wachsen“ zu hören. Nichts schleifen lassen. Die Summe vieler Kleinigkeiten bringt Ärger, Frust und Unlust. Diese früh zu erkennen und dann abzustellen ist eminent wichtig. Die großen Dinge sind oft einfacher.
Ob eine Gruppe funktioniert, sieht man nicht bei Weihnachtsfeiern, sondern im täglichen Miteinander. Das erkennt man als Betrachter sogar im Unterbewusstsein. Da will man dabei sein. Es lockt dann.
Meine Mails an die Mitglieder endeten immer mit dem folgenden Nachsatz:
Ohne dich und euch gibt es kein „Wir“
