Ehrenamt im Fokus

Ehrenamt im Fokus – Mein Ehrenamt und ich

Mit der Themenreihe „Ehrenamt im Fokus – Mein Ehrenamt und ich“ setzten wir ein modernes Zeichen für die Vielfalt ehrenamtlichen Engagements. Unter dem Hashtag #EhrenamtmachtdieWeltheller entsteht kein statischer Preis, sondern eine monatlich wechselnde Plattform, auf der Freiwillige, Vereine und Initiativen ihre Motivation und ihre ganz persönliche Geschichte erzählen. Auch Herausforderungen und Erfolge sollen offen sichtbar werden – ein lebendiges Bild der bunten Ehrenamtslandschaft in Darmstadt-Dieburg.

Die Beiträge der neuen Themenreihe erscheinen künftig jeweils am 5. eines Monats hier auf dieser Website. Sie laden dazu ein, zu stöbern, neue Einblicke zu gewinnen und sich inspirieren zu lassen. Wer möchte, kann so vielleicht selbst Lust bekommen, ein Ehrenamt aufzunehmen oder auszubauen.

Hier findest du die einzelnen Berichte:

Gespräch mit Frau Christine Bachmann – Umweltpatin in Groß-Zimmern

1. Wer sind Sie?…  und in welchem Bereich engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Mein Name ich Christine Bachmann, ich wohne in Groß-Zimmern und kümmere mich in meinen freiwilligen Tätigkeiten um die Beetpflege und Müllbeseitigung öffentlich zugänglicher Bereiche. Ich beseitige vor allem Zigarettenkippen und Klein-Plastik-Teile.

2. Seit wann führen Sie Ihr freiwilliges Engagement durch und wie sind Sie zu diesem Ehrenamt gekommen?

Ehrenamtlich aktiv bin ich seit Sommer 2023 und habe die Idee für diese Tätigkeit durch einen kleinen Zeitungsartikel in einer ZAW-Info bekommen. In diesem Artikel wurde auf eine solche mögliche Tätigkeit aufmerksam gemacht.

3. Welche Schritte waren Ihre ersten?

Ich habe mir überlegt, was ich tun könnte und habe für meine Idee den zuständigen Ansprechpartner in der Gemeinde gesucht und gefunden. Die Tätigkeit macht mir Spaß und ist mir wichtig.

4. Was motiviert Sie, dieses Projekt durchzuführen?

Ich wollte mich nicht immer nur beschweren oder ärgern, sondern erkannte, dass ich selbst aktiv werden kann, um für ein schöneres Stadtbild zu sorgen.

5. Wie sieht Ihr typischer Einsatz aus?

Ich bin viel mit dem Fahrrad in der Gemeinde unterwegs und sehe oft Müll herumliegen, gerade auch in der Adolf-Kolping-Anlage. Da habe ich begonnen kontinuierlich eine kleine Pflege rund um die Bänke zu starten. Um andere Beete und Pflanzenkübel kümmere ich mich zusammen mit einer anderen Umweltpatin nach Bedarf und uns zur Verfügung stehenden Zeit.

6. Mit welchen Menschen oder Gruppen arbeiten Sie zusammen?

Wir sind oftmals alleine oder im kleinen Team unterwegs, weil es einfach Spaß gemacht gemeinsam etwas zu tun. Schön wäre es, wenn mehr Personen mitmachen würden.

7. Worauf sind Sie in Ihrem Tun bislang besonders stolz?

Dieses Ehrenamt gibt mir Zufriedenheit, es gefällt mir, wenn die Anlagen schön und sauber sind. Und als Bürgerin von Groß-Zimmern liegt mir mein Wohnort auch am Herzen.

8. Wie wirken Ihre Aktivitäten auf andere?

Während meiner Aktivitäten komme ich oft ins Gespräch mit anderen Leuten. Sehr oft kommen positive Reaktionen auf mein Tun zurück, manchmal auch etwas Verwunderung. Gerne möchte ich auch Jugendliche motivieren mitzumachen – wenn ich auf eine Gruppe Jugendlicher treffe, ist oft einer dabei, der auch mithilft. Bisher habe ich ausschließlich gute Erfahrungen gemacht, nahezu keinerlei negative.

9. Was nehmen Sie persönlich aus dem Ehrenamt mit?

Es macht Spaß, ich kann etwas bewirken und erfahre auch Bestätigung und Wertschätzung. Das gefällt mir und ist auch wichtig für mich. Man muss aber auch Ausdauer haben. Auch wenn nach meiner Aktion die Anlage nach einer bestimmten Zeit wieder etwas vermüllt ist, lohnt es sich weiterzumachen. Und mit der Zeit bemerke ich auch Verbesserungen.

10. Welche Ziele oder Wünsche haben Sie für sich und die Zukunft Ihres Engagements?

Ich mache gerne weiter und wünsche mir mehr Beteiligung durch andere. Wichtig und gut ist die Unterstützung durch den Ansprechpartner für meine Aktivität in der Gemeinde. Mit diesem kann ich über meine Aktionen im Austausch sein, wir können uns direkt unterhalten.

11. Welchen Tipp würden Sie interessierten Neueinsteigern im Ehrenamt geben?

Arbeiten im Team macht Spaß. Wenn die Aktivität einem am Herzen liegt, ist es leicht, etwas zu tun. Man kann sich ausprobieren und feststellen, was persönlich gefällt. Neue Mitmachende sind nicht allein, es gibt uns schon und wir können größer werden.

12. Wie kann Interesse für freiwilliges Tun geweckt werden?

Im Austausch mit den anderen erfährt man die vielen positiven Seiten der Aktivitäten. Wenn über die Aktivität danach irgendwo berichtet wird, ist das auch eine schöne Wertschätzung. Mehr Information über Möglichkeiten des freiwilligen Engagements könnten dabei hilfreich sein.

Gespräch mit Herrn Enno Reershemius – Ehemaliger Vorsitzender der Radsportabteilug im TuS Griesheim

1. Wer sind Sie?…  und in welchem Bereich engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Mein Name ich Enno Reershemius, ich wohne seit 45 Jahren in Griesheim und bin genauso lange beim TuS Griesheim, dem größten Verein der Stadt. Ich bin 79 Jahre alt. Jetzt bin ich Ehrenvorsitzender der Radsportabteilung und habe davor fast 20 Jahre den Vorsitz der Radsportabteilung innegehabt.

2. Seit wann führen Sie Ihr freiwilliges Engagement durch und wie sind Sie zu diesem Ehrenamt gekommen?

Ehrenamtlich aktiv bin ich seit ca. 1990 mit kleineren „Aufgaben“ in der Leichtathletik-, Ski und dann hauptsächlich in der Radsportabteilung.  Ab 2000 habe ich mit 3 anderen Mitgliedern abwechselnd die Abteilung Radsport geleitet, um dann im Jahr 2004 die Verantwortung auf meine Schultern geladen. Warum habe ich das gemacht? In erster Linie, weil ich gerne in Gesellschaft bin und in 2ter Linie, weil sich viele Mitglieder schwertun, ein solches Amt zu übernehmen. Ich wollte nicht, dass die Radsportabteilung an einem organisatorischen Akt die Existenz aufgibt. Ahnung davon hatte ich nicht. Ich muss unbedingt festhalten, dass ich während der gesamten Zeit als Vorsitzender der Radsportabteilung wesentliche Aufgaben „delegiert“ habe. Die anderen Mitglieder im Vorstand haben mich mitgetragen. Allein wäre es nicht gegangen. Ich möchte auch festhalten, dass wir keine einzige Vorstandssitzung beendet haben, wo wir nicht einstimmig agiert haben. Es ist nie einer allein verantwortlich.

3. Welche Schritte waren Ihre ersten?

Da ich unerfahren war habe ich zunächst versucht die Aufgaben so abzuwickeln, wie es „erwartet“ wurde.  Nachdem ich darin geübt war, kamen dann zusätzliche Aktivitäten (immer in Abstimmung mit den restlichen Vorstandsmitgliedern) hinzu. Parallel war ich auch in der Skiabteilung (als „Skilehrer“ für jugendliche Mitglieder bei Freizeitveranstaltungen in Frankreich aktiv), in der Leichtathletikabteilung fungierte ich lange als Kampfrichter.

4. Was motiviert Sie, dieses Projekt durchzuführen?

In erster Linie wollte ich versuchen den Sport (unseren Radsport) neben dem körperlichen Aspekt und die gesundheitsfördernden Auswirkungen auch den Freude- und Spaßfaktor aktivieren. Ich denke, dass das (wenn man keinen oder kaum im Wettkampfsport zu Hause ist) ein wichtiger Anker ist, um Menschen an Vereinen oder Organisationen zu binden. Der Spaß des Moments und die Freude daraus halten Menschen zusammen. Ich glaube, dass es nicht immer bierernst zugehen muss. Manchmal ja, aber meistens ist es nicht förderlich.

5. Wie sieht Ihr typischer Einsatz aus?

Da meine aktive Zeit als Vorstand vorüber ist kann ich nur beschreiben, was in der aktiven Zeit war. Ich habe versucht jedes Mitglied unabhängig von seinen Aktivitäten in der Abteilung „gleich“ zu behandeln. Ich habe versucht bei den Ausfahrten (auch in der Woche) dabei zu sein. Ich habe versucht unsere Homepage (nach der Übernahme von einem anderen Mitglied) so attraktiv zu gestalten, dass darin alle Aktivitäten von uns gefunden wurden. Bilder von Veranstaltungen eingestellt, über einen Adventskalender Interesse für unsere Abteilung und Aktivitäten geweckt. Viele neue Mitglieder haben wir durch die Attraktivität unserer Homepage gefunden. Unser Radmarathon am letzten Sonntag im April zu organisieren hat viel Arbeit gemacht. Wenn der Tag dann vorbei ist, kein wirklicher Unfall passiert war, jeder sich freute, dann war ich erleichtert, zufrieden und befreit.   

Es gibt viele weitere Aktivitäten, eine wäre mir noch besonders wichtig festzuhalten: Ich durfte die Verbindung zu der Partnerstadt Bar le Duc mit neu beleben und erleben. Das ist eigentlich der wichtigste Punkt von allen.

6. Mit welchen Menschen oder Gruppen arbeiten Sie zusammen?

Mit den Mitgliedern hauptsächlich, mit der Administration des Vereins. Mit den Mitgliedern des Vorstandes. Als Kamprichter mit Sportlern und als betreuender „Skilehrer“ auch sehr gerne mit Jugendlichen. Kurz bevor Corona sich ausbreitete, waren wir über 70 Mitglieder, da haben viele mein Ohr gesucht und ich habe versucht die Aktivitäten nicht völlig zu vernachlässigen. Das ist zum Glück gelungen.

7. Worauf sind Sie in Ihrem Tun bislang besonders stolz?

Die ersten Mitgliederversammlungen waren nicht geliebt von mir. Später hat sich das gegeben. Ich habe gesehen, dass die Mitglieder mit Freude dabei waren. Das war immer eine große Befriedigung. Dann sind alle Mühen dafür auch gerechtfertigt. Wenn mich jugendliche Menschen in der Stadt begrüßen und sagen, weißt du noch? Damals in Frankreich? Wieviel Spaß wir hatten? Ja, weiß ich, aber wer bist du denn? Echt? Du? Du hast dich aber gemacht, bist ja sogar endlich groß geworden…….. Das Ehrenamt gibt mir auch heute noch große Zufriedenheit. An ganz vielen Erinnerungen kann ich mich immer noch sehr erfreuen. Die Menschlichkeit unter- und füreinander war und bleibt ein wesentlicher Pluspunkt für das Miteinander. Auch das die Familie meine Vereinsaktivitäten geduldet hat ist nicht üblich und darf erwähnt werden.

Wahr ist aber eben auch, dass man es allein auf gar keinen Fall schafft. Die Mitglieder im Vorstand waren genauso wichtig für das Gelingen über die gesamte Zeit. Und jedes Mitglied auch. Und sei es nur durch ein Kopfnicken oder „Daumen hoch“, oder eine Geste.

8. Wie wirken Ihre Aktivitäten auf andere?

Ganz schwer das richtig einzuordnen. Die Erinnerungen an das Geleistete verblassen mit der Zeit, das ist normal. Ob ich als Vorbild diene, kann ich nicht sagen. Wenn man das Gefühl hat, im richtigen Moment das „Zepter“ an einen Nachfolger übergeben hat und der dann sagt, ich wusste nicht, dass du so viel Aufwand betrieben hast, um den Laden zusammenzuhalten, ist das ein großes Kompliment und freut mich sehr. Das sehen wohl viele andere auch. Positive Reaktionen gibt es von Mitgliedern, Verantwortlichen aus dem Hauptverein. Das ist wichtig zu hören und bleibt.  

9. Was nehmen Sie persönlich aus dem Ehrenamt mit?

Befriedigung im Rückblick. Obwohl oft viel Zeit benötigt wird, um manchmal Kleinigkeiten aus der Welt zu schaffen. Es macht fast immer Spaß. Anerkennung für reibungsloses „Tun“ verstecken sich oft in allgemeinen Äußerungen von Wegbegleitern. Die aufgewandte Zeit hat etwas bewirkt.

10. Welche Ziele oder Wünsche haben Sie für sich und die Zukunft Ihres Engagements?

Ich freue mich, wenn ich mein „Amt“ als Ehrenvorsitzender noch einige Zeit innehaben darf.
Ich erkenne, dass mein Nachfolger ein großes Glück für die Abteilung ist und ich bin überzeugt, dass er sein Amt in Art und Weise ausfüllt, die vorbildlich ist. Die Anerkennung dafür ist überwältigend. Ich bin sicher, dass die Abteilung zumindest aus dieser Perspektive optimal in die nächsten Jahre geführt werden wird.

11. Welchen Tipp würden Sie interessierten Neueinsteigern im Ehrenamt geben?

Machen. Tun. Arbeiten im Team macht Spaß. Man kann nichts falsch machen, wenn man versucht, im Team Einigkeit herzustellen. Dann ist alles leicht. Autokratische Herrschaften bringen langfristig lediglich Frust und Desinteresse. Demokratisch bleiben. Menschlichkeit obenan stellen. Verantwortung delegieren und nicht kontrollieren. Ich habe immer gesagt, wenn ich eure Arbeit auch noch begutachten soll, dann bin ich misstrauisch euch gegenüber. Ich stehe vor euch, wenn es Fehler gibt. Wenn ihr bewusst uns oder dem Verein schädigt, gehen wir bis vor die UN-Hauptversammlung und ich stehe nicht für euch ein. Aber kontrollieren will ich euch nicht. Dann kann ich alles allein machen. Und siehe da, es hat funktioniert.

12. Wie kann Interesse für freiwilliges Tun geweckt werden?

Manchmal schwierig, manchmal unerwartet. Offenheit und Lockerheit. Verantwortung delegieren. Siehe Antwort zu Frage 11. Eine funktionierende Abteilung oder Organisation bekommt auch „passende“ Neue. Es lockt sie sogar an. Versuchen nicht passendes abzustellen. Offenheit. Wahrheiten (egal ob gute oder schlechte) auch als solche aussprechen. Unvermögen und Untätigkeit nicht dulden. Auf Zwischentöne achten. „Leise“ Mitmenschen haben auch gute Ideen. Die „Lauten“ nicht überbewerten. Versuchen „Gras wachsen“ zu hören. Nichts schleifen lassen. Die Summe vieler Kleinigkeiten bringt Ärger, Frust und Unlust. Diese früh zu erkennen und dann abzustellen ist eminent wichtig. Die großen Dinge sind oft einfacher.

Ob eine Gruppe funktioniert, sieht man nicht bei Weihnachtsfeiern, sondern im täglichen Miteinander. Das erkennt man als Betrachter sogar im Unterbewusstsein. Da will man dabei sein. Es lockt dann.

Meine Mails an die Mitglieder endeten immer mit dem folgenden Nachsatz: 

Ohne dich und euch gibt es kein „Wir“

Gespräch mit Herrn Gerd Proll – ehrenamtlicher Leiter des Reinheimer Heimatmuseums

1. Wer sind Sie?…  und in welchem Bereich engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Guten Tag, ich bin Gerd Proll, 68 Jahre alt und leite seit 2,5 Jahren – gemeinsam mit meiner Kollegin Rosemarie Töpelmann – das Reinheimer Heimatmuseum. Es ist ein städtisches Museum, das von einem ehrenamtlich tätigen Museumsbeirat betrieben wird.

2. Seit wann führen Sie Ihr freiwilliges Engagement durch und wie sind Sie zu diesem Ehrenamt gekommen?

Als ich Mitte 2018 in Altersteilzeit gegangen bin, hatte ich nun Zeit für Garten, Radfahren und Enkelkinder. Aber auch das Gefühl, noch mehr tun zu können.

3. Welche Schritte waren Ihre ersten?

Ich schaute im Internet nach und fand die Website der Freiwilligenagentur der Städte Reinheim/Groß-Bieberau und vereinbarte einen Termin. Ursprünglich wollte ich in der Agentur mitarbeiten. Aber der damalige Leiter versicherte mir, dass die Agentur ausreichend besetzt sei und machte mir das Angebot, im städtischen Heimatmuseum mein Glück zu versuchen.

Bei meinem ersten Besuch stellte ich fest, dass ich bereits viele der dort ehrenamtlich Tätigen aus unterschiedlichen Lebenslagen kannte. Ich blieb dabei, wurde vom Magistrat in den Museumbeirat berufen und von diesem im Sommer 2022 als einer der Leiter gewählt.

4. Was motiviert Sie, dieses Projekt durchzuführen?

Als Berufstätiger war es immer schwierig, sich aufzuraffen und noch etwas ehrenamtlich zu stemmen. Doch als Rentner hat man Zeit und es nie zu spät Neues bzw. neue Menschen kennenzulernen. Außerdem bekommt man das Gefühl etwas Gutes für sich und die Gesellschaft zu tun.

5. Wie sieht Ihr typischer Einsatz aus?

Zu meinen Aufgaben gehört es, das Museum am Leben zu erhalten, die gesammelten Gegenstände zu pflegen, zu erfassen und der Öffentlichkeit zugängig zu machen. Konkret bedeutet dies, den laufenden Betrieb durch Sonderausstellung noch attraktiver zu machen und Angebote für alle Gruppen anzubieten. Wir möchten die Kinder ebenso bei uns sehen, wie die älteren Menschen, ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger oder Gäste, die von weiter herkommen. Außerdem betreue ich unseren Facebook- und Instagram-Account. Alle zwei Monate habe ich Sonntagsdienst. Das heißt, unsere Gäste begrüßen und ihnen eine Führung anbieten.

Der wöchentliche Aufwand beträgt ca. 10 Stunden.

6. Mit welchen Menschen oder Gruppen arbeiten Sie zusammen?

Wöchentlich trifft sich ein kleiner Kreis von Aktiven. Wir planen die neuen Ausstellungen, pflegen unser Museum (putzen, Staubwischen, kleinere Reparaturen) und digitalisieren unsere Bestände. Weiterhin arbeiten wir mit dem Ausländerbeirat der Stadt Reinheim zusammen und führen gemeinsame Veranstaltungen wie Erzählcafes durch.

7. Worauf sind Sie in Ihrem Tun bislang besonders stolz?

In der Heimatdiskussion haben wir festgestellt, dass es uns nicht gelungen ist, eine Definition des Heimatbegriffes von unseren ausländischen Bürgern zu bekommen. Daraufhin haben wir gemeinsam mit anderen Organisationen (Ausländerbeirat, Jugendforum, Partnerschaftsverein, DGB) ein Heimatfest geplant. Ziel war es, gemeinsam mit den ausländischen Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, gemeinsam essen, trinken, tanzen und gute Diskussionen zu führen. Das wurde gut angenommen und im Moment stecken wir in der Planung des vierten Heimatfestes. Beim dritten Fest hatten wir an die 300 Besucher.

8. Wie wirken Ihre Aktivitäten auf andere?

Man weiß was ich mache, spricht mich darauf an und möchte mir auch hin und wieder Dinge für das Museum schenken bzw. leihen oder macht Vorschläge für Sonderausstellungen.

9. Was nehmen Sie persönlich aus dem Ehrenamt mit?

Ich empfinde das Engagement als eine angenehme Sache. Man lernt neue Menschen kennen. Man tauscht sich aus und lernt voneinander.  Auf alle Fälle macht es Spaß und es freut mich, wenn ich die Kommentare in unserem Gästebuch lese, in denen sich die Besucherinnen und Besucher für unser Tun und Handeln bedanken und sie eine gute Zeit im Museum verbracht haben.

10. Welche Ziele oder Wünsche haben Sie für sich und die Zukunft Ihres Engagements?

Mein Wunsch wäre es, jüngere Menschen zu finden, die Lust haben, mit uns gemeinsam noch vieles zu bewegen. Wir möchten gerne behutsam neue Techniken einführen, Konzepte für Kinder und Jugendliche entwickeln und zunehmend der feste Bestandteil kultureller Arbeit in der Stadt sein.

11. Welchen Tipp würden Sie interessierten Neueinsteigern im Ehrenamt geben?

Man sollte sich verschiedene Anbieter anschauen, Schnuppertage/-wochen vereinbaren und sich dann entscheiden, was will ich zukünftig tun, wo kann ich mich sinnvoll einbringen und was ist das Beste für mich und die Organisation.

12. Wie kann Interesse für freiwilliges Tun geweckt werden?

Bei der Suche nach Ehrenamtlichen sollten die Organisation bzw. Ehrenamtsagenturen noch spezifischer die Anforderungen definieren. Oftmals mag es helfen, wenn man Hilfe für ein zeitlich befristetes Projekt sucht, es auch so zu beschreiben.

Gespräch mit Herrn Uwe Krengel – Di@-Lotse

1. Wer sind Sie und in welchem Bereich engagieren Sie sich ehrenamtlich?

      Mein Name ist Uwe Krengel, ich bin 71 Jahre alt und wohne in Darmstadt. Meine Kenntnisse liegen im Schwerpunkt auf Smartphones mit Android, iPhones und Macs aus dem Apple Umfeld, Laptop und PC mit Windows Betriebssystem, als auch Linux. Im Grunde alles, was mit Computer, Betriebssystem und Software zu tun hat. Ich mache das aus Langeweile und weil ich’s kann. Und es macht mir Spaß. Ich wollte nach dem Eintritt in das Rentenalter einfach was zu tun haben, aber eben nicht als Verantwortlicher, sondern eher als technischer Helfer, der mit seinem über die Jahre angesammelten Know-how Unterstützung anbieten kann.

      Meine erste Berührung mit dem Thema Smartphonehilfe hatte ich 2019 in Bessungen beim „Digitalen Kaffeekränzchen“. Ich habe mich einfach dazu gesetzt und schnell gemerkt, dass ich auf der Seite der Kundigen bin und aushelfen konnte. Da war ich dann auch bald ein gern gesehener Gast. Diese Veranstaltung findet aber nur alle vier Wochen statt. Irgendwann war mir das zu wenig und ich habe mich umgesehen, ob es in der näheren Umgebung von Darmstadt ähnliche Veranstaltungen gibt. Und so bin ich über einen Zeitungsartikel auf das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Groß Zimmern aufmerksam geworden, und dass dort regelmäßig Montagnachmittags ein Kurs zum Thema Smartphonehilfe angeboten wird. Dass ich das MGH seit 2024 (und mittlerweile als zertifizierter Di@-Lotse) ehrenamtlich unterstütze, gemeinsam mit einer jungen Kollegin, hat sich dann einfach so ergeben. Ein Ehrenamt war gar nicht mein Ziel.

      2. Wie kann Interesse für freiwilliges Tun geweckt werden

      Das Interesse an freiwilligem Tun kann nicht geweckt werden, das muss man einfach haben. Es braucht so eine Art Helfersyndrom, aber nicht in einer Art und Weise, dass man sich dem Anderen aufdrängt. Ich bin da gar nicht stolz drauf, es reizt mich einfach, technische Probleme zu lösen. Für eine produktive Zusammenarbeit ist für mich der sachliche Austausch am wichtigsten. So schweifen die Gespräche schon mal ab ins persönliche oder es wird politisch. Da muss man dann unterbrechen, um die zur Verfügung stehende Zeit auf die anstehenden Themen zu begrenzen. Aber ich nehme natürlich die Fragen der Teilnehmer sehr ernst. Und ich verspreche auch, verantwortlich damit umzugehen, mit den sensiblen Daten, die man natürlich zu sehen bekommt, wie z.B. Passwörter. Ich lasse da niemanden im Stich und biete auch an, mich privat zu kontaktieren, falls es mal wirklich dringend ist. Ich nehme mir dann dafür die Zeit.

      3. Wie wirken Ihre Aktivitäten auf andere?

        Die Menschen nehmen meine Unterstützung – denke ich – gerne an und mich freut es, dass ich gebraucht werde. Da gibts auch mal den einen, der das ausnutzt und dir dann sagt, dass ich doch sowieso nichts zu tun hätte. Die meisten aber wissen zu schätzen, was ich mache und sind sehr erfreut, wenn das vermeintlich unlösbare Problem dann doch zufriedenstellend erledigt ist. Gelegentlich mache ich auch Hausbesuche, wenn ein Problem in den gemeinsamen Teilnehmerrunden nicht behoben werden kann. Wenn ich was nicht weiß, recherchiere ich zeitnah im Internet und nutze dafür die KI Perplexity als Suchmaschine. So bekomme ich recht schnell auf meine Fragen fundierte und sauber strukturierte Antworten und ich muss nicht selbst unzählige Internetseiten sichten, um das Richtige zu finden.

        4. Was motiviert Sie, dieses Projekt durchzuführen?

        Was mich wirklich immer wieder aufs Neue überrascht, ist, dass doch viele unserer Teilnehmer zu Beginn geringe oder gar keine „digitale Kompetenz“ haben. Manche nutzen nicht mal einen Laptop oder besitzen nur ein altes einfaches Handy. Aber das ist natürlich genau die Gruppe von Menschen, für die wir Di@-Lotsen entsprechende kostenlose Unterstützung anbieten. Wir arbeiten darauf hin, dass die ältere Generation nicht abgehängt wird und auch am digitalen Leben teilhaben kann. Wir wollen sie fit machen und sensibilisieren, um im digitalen Zeitalter zu bestehen.

        Und was soll ich sagen: Es klappt.